Las Palmas, Pier 1, morgens um sieben. Der Hafen liegt noch im Halbschatten der Kräne, und die AIDA steht da wie ein weißes Hochhaus, das jemand versehentlich ans Wasser gestellt hat. Ein paar Passagiere mit Rollkoffern schieben sich am Terminal vorbei, ein Taxifahrer raucht und wartet. Wenn Sie gerade überlegen, ob diese Reise etwas für Sie ist, dann lassen Sie mich Ihnen erzählen, was auf so einer AIDA Gran Canaria-Route wirklich passiert. Nicht das Hochglanz-Bild aus dem Katalog. Das echte.

Ich war zweimal auf dieser Strecke unterwegs, einmal im Winter, einmal im späten Frühjahr, und ich habe dabei mehr über Kanaren-Kreuzfahrten gelernt, als mir lieb war. Vor allem: Wie man sie richtig bucht, damit man nicht in Las Palmas strandet, während das Schiff ohne einen ablegt.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die klassische Kanaren-Route ab Gran Canaria dauert meist 7 Nächte und läuft als Rundkurs zurück nach Las Palmas, nicht als One-Way.
  • Der Abfahrtshafen ist Las Palmas, nicht der Süden der Insel. Das macht beim Flughafen-Transfer einen Unterschied von gut 40 Minuten.
  • Reisedauer und Route variieren je nach Schiff: AIDAcosma fährt die Kanaren anders als die kleineren Schiffe der Flotte.
  • Zwischen November und Februar sind die Kanaren mild, aber die Überfahrten nach Madeira können rau werden. Wer empfindlich ist, merkt das.
  • Kiel oder Hamburg als Start- oder Endpunkt tauchen bei diesen Routen nur als Transfers auf, nicht als Kanaren-Programm.

Die AIDA Gran Canaria Route: was tatsächlich gefahren wird

Die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird, ist simpel: Was sieht man eigentlich in diesen sieben Tagen? Und die ehrliche Antwort lautet: mehr Inseln, als man auf dem Zettel hat.

Die typische Hafenreihenfolge

Ein klassischer Kanaren-Kurs ab Las Palmas sieht ungefähr so aus. Tag eins: Einschiffung in Las Palmas, kein Landgang mehr. Dann meist über Nacht Kurs auf die nächste Insel. In der Regel stehen auf dem Programm:

  • Teneriffa mit Santa Cruz, oft als erster oder zweiter Stopp
  • Lanzarote, Arrecife, mit den Vulkanfeldern im Hinterland
  • Fuerteventura und Puerto del Rosario, wenn die Route es vorsieht
  • Madeira, Funchal, meist der Höhepunkt der ganzen Reise
  • Je nach Schiff und Saison auch La Gomera oder ein zweiter Teneriffa-Halt

Was fast alle Routen gemeinsam haben: Sie enden dort, wo sie begonnen haben. Las Palmas rein, Las Palmas raus. Das ist praktisch, weil man keinen One-Way-Flug braucht, aber es bedeutet auch, dass der letzte Seetag zurück oft der ruhigste und zugleich der langweiligste ist. Zwei Tage nur Wasser zwischen Madeira und Gran Canaria? Ja, das kommt vor.

Ich erinnere mich an einen Abend auf diesem Rückweg, als der Wind so stark drehte, dass selbst gestandene Seefahrer-Mienen aufkamen. Das Schiff hielt Kurs, aber das Abendessen war dünn besucht. Wer zur Seekrankheit neigt, sollte für genau diese Passage etwas dabeihaben.

Wie viele Nächte sind es wirklich?

Sieben Nächte sind der Standard. Es gibt aber auch kürzere Varianten mit vier oder fünf Nächten, die dann meist nur zwei oder drei Häfen anlaufen, und längere Kombinationen mit zehn bis vierzehn Tagen, bei denen die Kanaren mit Madeira oder sogar den Kapverden verknüpft werden. Die Vier-Nächte-Variante klingt verlockend, weil billiger. Sie ist aber auch deutlich gehetzter: Ein Seetag, ein Hafen, wieder zurück. Für mich hat sich das nie gelohnt.

RoutentypDauerHäfen in etwaFür wen
Kurzroute4–5 Nächte2–3Ersttester, Wochenendverlängerung
Klassisch7 Nächte4–5Die meisten Reisenden
Erweitert10–14 Nächte6–8Wer mehr will und Zeit hat
Transatlantik-AnschlussvariabelRoute Richtung NordenÜberführer nach Hamburg oder Kiel

Diese „nach Hamburg" oder „nach Kiel"-Varianten sind übrigens keine Kanaren-Rundreisen mehr, sondern Überführungsfahrten. Man startet im Süden, fährt die Kanaren ab und landet am Ende in Norddeutschland. Zwei völlig verschiedene Reisen in einer Buchung. Wer das verwechselt, wundert sich später.

Wann buchen, wann fahren: die Saisonfalle

Hier wird es interessant, weil hier die meisten Fehler passieren. Die Kanaren sind ein Ganzjahresziel. Genau das ist das Problem. Denn „Ganzjahr" heißt nicht „immer gleich gut".

Wann buchen, wann fahren: die Saisonfalle

Die beste Reisezeit für die Kanaren-Route

Zwischen November und Februar liegen die Tagestemperaturen auf den Inseln meist bei angenehmen 18 bis 22 Grad. Das klingt nach perfektem Winterurlaub, und ist es auch. Aber der Atlantik bleibt rau. Die Überfahrt nach Madeira kann richtig ungemütlich werden, und ein Hafen wie Funchal fällt bei starkem Seegang schon mal aus. Nicht oft, aber es passiert.

März bis Mai ist für mich die beste Zeit. Weniger Wind, milderes Wasser, und die Preise liegen unter dem Weihnachts- und Silvester-Niveau. Der Sommer ist heiß und teuer, vor allem in den Schulferien. Ich habe einmal eine Juli-Woche gebucht, weil es terminlich passte, und am Ende fast das Doppelte gezahlt. Nicht nochmal.

Preise und das richtige Buchungsfenster

Konkrete Zahlen sind bei Kreuzfahrten ein Minenfeld, weil sie je nach Kabine, Schiff und Zeitpunkt extrem schwanken. Was ich aus meinen eigenen Buchungen sagen kann: Frühbucher zahlen oft deutlich weniger, aber wer zu früh bucht, verliert die Flexibilität für Sonderangebote kurz vor Abfahrt. Diese Last-Minute-Schnäppchen gibt es, aber sie sind riskant. Feste Flüge und ein voller Terminkalender vertragen sich nicht mit „mal sehen, was übrig ist".

Mein Rat: Wenn Sie an die Ferien gebunden sind, früh buchen. Wenn Sie flexibel sind, kann kurzfristig buchen funktionieren, aber planen Sie das nicht als Strategie, sondern als Glücksspiel.

AIDA Gran Canaria Erfahrungen: was an Bord wirklich zählt

Die Kabinenfrage. Ich habe das lange für Nebensache gehalten. Tut mir leid, ist es nicht.

AIDA Gran Canaria Erfahrungen: was an Bord wirklich zählt

Kabine: der Unterschied zwischen Innen und Balkon

Eine Innenkabine auf einer Kanaren-Route ist machbar, wenn Sie ohnehin den ganzen Tag draußen sind. Aber auf den Seetagen, und davon gibt es auf diesen Routen mehr als genug, merkt man den Unterschied. Ohne Tageslicht verliert man auf einem Schiff schnell das Zeitgefühl. Nach zwei Seetagen am Stück wusste ich in einer Innenkabine manchmal nicht mehr, ob es draußen Mittag oder Abend war.

Eine Balkonkabine kostet mehr, keine Frage. Aber der Blick auf Madeira beim Anlaufen am frühen Morgen, wenn die Inselnebel über den Hängen hängen, das ist etwas, das man nicht aus dem Bordprogramm nachholen kann. Das ist meine Meinung, und ich verteidige sie.

Landgänge: organisiert oder selbst?

Die angebotenen Ausflüge sind bequem, aber teuer. Auf Lanzarote habe ich einmal einen organisierten Ausflug zu den Vulkanfeldern gemacht. Gut geführt, aber man hängt im Pulk. Beim zweiten Mal habe ich mir einen Mietwagen genommen und bin selbst gefahren. Völlig anderes Erlebnis. Man sieht mehr, man bleibt länger, und man zahlt weniger.

Der Haken: Man ist auf sich gestellt, und wenn das Schiff ablegt, legt es ab. Ohne Rücksicht auf einen selbst. Wer selbst plant, sollte immer einen Puffer einplanen, mindestens eine Stunde vor der Boarding-Zeit zurück am Pier sein.

Die Fragen, die immer wieder kommen

AIDA Gran Canaria aktuelle Position — wie finde ich sie?

Die aktuelle Position eines Schiffs lässt sich in der Regel über Schiffsverfolgungsdienste im Internet einsehen, die AIS-Daten auswerten. Für die AIDA-Flotte gibt es außerdem die Reederei-eigene App, die je nach Schiff und Route Standortinformationen anzeigt.

Praktischer Nutzen: Wenn Sie gerade jemanden an Bord erwarten oder beobachten wollen, ob das Schiff pünktlich in Las Palmas einläuft, lohnt sich ein Blick darauf. Ich habe das einmal gemacht, als eine Überfahrt wegen Wetter Verspätung hatte, und es war deutlich hilfreicher als jede Hotline.

Gibt es AIDA Gran Canaria 2026 und 2027 Touren?

Die Reederei veröffentlicht ihre Routen für kommende Saisons in der Regel mehrere Jahre im Voraus. Für die kommenden Jahre sind Kanaren-Routen ab Gran Canaria im Programm. Genaue Termine, Schiffe und Preise ändern sich jedoch, deshalb sollten Sie direkt beim Anbieter oder über eine Buchungsplattform nachsehen, statt sich auf alte Angaben zu verlassen. Was 2024 galt, gilt nicht automatisch für 2026 oder 2027.

Anreise: Flughafen, Transfer und der Anfängerfehler

Der Flughafen Gran Canaria liegt im Süden der Insel, bei Maspalomas. Der Hafen von Las Palmas liegt im Norden. Das sind je nach Verkehr gut 40 bis 50 Minuten Fahrt. Wer den Transfer unterschätzt und den Flug am Anreisetag knapp legt, riskiert, das Schiff zu verpassen. Ich habe am Terminal einmal ein Paar getroffen, das genau das erlebt hat. Sie standen mit ihrem Gepäck da und schauten dem Schiff nach. Das war schmerzhaft mitanzusehen.

Mein Tipp: mindestens einen Tag vorher anreisen, wenn möglich. Nicht nur wegen der Sicherheit, sondern weil Las Palmas selbst einen Tag verdient. Die Altstadt Vegueta mit der Kathedrale Santa Ana und der Strand Las Canteras sind einen Spaziergang wert, und es ist ein ganz anderes Kanaren-Bild als das aus dem Süden.

Was am Ende hängen bleibt

Die Kanaren-Route ab Gran Canaria ist keine aufregende Reise mit großen Überraschungen. Sie ist ein solides, berechenbares Produkt: angenehmes Klima, kurze Distanzen zwischen den Inseln, ein vertrautes Schiff. Für viele ist genau das der Punkt.

Aber das Schiff fährt nicht auf Sie zu. Die Route kennt Sie nicht. Wer diese Reise gut machen will, kümmert sich um die Details, die im Prospekt keine Zeile bekommen: den Transfer, die Kabine, den Puffer vor dem Ablegen, die richtige Saison. Der Rest ergibt sich.

Und wenn Sie dann am letzten Morgen in Las Palmas vom Deck schauen und die Kräne noch immer im Halbschatten stehen wie am ersten Tag, wissen Sie, dass Sie es zumindest richtig gemacht haben. Ob es sich gelohnt hat, entscheiden Sie selbst. Ich würde wieder fahren. Aber nicht im Juli.